Tingvall Trio Vattensaga Tour – Moods im Schiffbau, Zürich 2010-01-10
Martin Tingvall p, Omar Rodriguez Calvo b und Jürgen Spiegel dr (v.l.n.r.) – kurz vor Türöffnung
Sonntag ging es für mich zeitig los: Kurz nach drei Uhr Nachmittags in die S-Bahn nach Solothurn und von dort nach Zürich. Alles verlief recht zügig und so blieb mir noch genügend Zeit, um durch die Baustellen am Verkehrsknotenpunkt Escher-Wyss-Platz zu irren. Wer also (vom Zürcher HB) ins Moods will, der beherzige folgende Faustregel: Mit der Tram zum Escher-Wyss-Platz, dann links. Das Moods im Schiffbau ist auf der rechten Strassenseite. Unter der Brücke sind übrigens ausreichend Parkplätze für Autos vorhanden. Bei meinem Eintreffen kurz vor Kassenöffnung bot sich mir folgendes Bild:
Wobei die vier auf diesem Foto gar nicht auf die Türöffnung warteten. Kurz darauf kamen die Musiker heraus und die Kasse öffnete sich. Zaghaft trudelten erste einzelne Besucher ein, letztlich füllte sich das Moods erst ca. eine halbe Stunde vor Konzertbeginn langsam, aber merklich.
Nach eigenen Angaben der drei Musiker war dies das erste Konzert in der Schweiz. Und nach einem etwas zaghaften Intro mit “Welle rein” (Våg in – von Vattensaga) und einem weiteren Stück, dessen Namen mir leider entfallen ist, war der kritische Moment überstanden und von da an bauten die drei immer mehr Druck auf. Das lag auch am dankbaren Publikum, das die Leistungen entsprechend honorierte und dadurch mit Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel in Dialog trat.
Das Programm bestand aus Werken aller drei Alben des Trios (Skagerrak, Norr und Vattensaga), wobei der Schwerpunkt aus Stücken des aktuellen Albums stammte. Im Gegensatz zu den Studioaufnahmen verfügt das Trio live beim Darbieten seiner lyrischen Kompositionen gefühlt über ca. dreimal mehr Temperament, wobei ein grosser Anteil hier auf Jürgen Spiegel am Schlagzeug (für meinen Geschmack etwas zu harsch abgemischt) fällt. Er und Martin Tingvall am Piano wetteiferten miteinander und feuerten sich zu immer noch grösseren Leistungen an. Diese zwei könnten Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass locker an die Wand spielen. Das vermeiden sie jedoch vortrefflich. Immer ist es der Bass, der die Kompositionen zusammen hält und um den sich die Musiker arrangieren. Ähnlich wie Dino Contenti vom Alboran Trio spielt Omar Rodriguez Calvo sein Instrument auf eine “singende” Art und Weise, greift ab und an zum Bogen. In den zahlreichen Soli, die ihm zuteil werden, hat er immer wieder Gelegenheit sein ganzes Können zu zeigen. Rundum, ein junges Piano Trio, das Spass macht, live (imho) noch mehr als von Konserve.
Das Konzert begann übrigens kurz nach sieben und endete mit einer Zugabe um kurz vor halb neun – das macht ca. zwei Stunden Musik. Die Musiker blieben anschliessend gut gelaunt an der Bar und waren gerne bereit Autogramme auszustellen. Aus meiner Sicht ein gelungener Abend für alle Beteiligten und obwohl sich das Moods nicht gerade in meiner unmittelbaren Umgebung befindet, ziehe ich in Erwägung demnächst mal wieder hin zu fahren.
Am 2010-01-22 gehe ich übrigens zu “Enrico Rava – Stefano Bollani Duo”, ebenfalls in Zürich.







