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Tag-Archiv für 'Duo'

Jazz | 19 Nov 2010

Don Friedman Johannes Enders Duo – Heppel & Ettlich im Drugstore München Schwabing – 2010-11-14

Samstag Abend bis in die nicht mehr so frühen Morgenstunden des Sonntags wurde kräftig Party gefeiert. Dementsprechend mau war die Verfassung aller Beteiligten, die sich am frühen Nachmittag zum Aufräumen einfanden. Selbst fühlte ich mich noch relativ rüstig, was vielleicht am Verzicht auf Alkohol und am guten Linsensalat lag.

Tomatensalat mit rosa Linsen, Hüttenkäse und Schafskäse

Die Reste vom Feste.

Es half nichts und wenn der Sonntag noch zum Dösen – oder in meinem Fall für einen Konzertbesuch in München mit einem der Partygastgeber – verwendet werden sollte, war vorher noch die dröge Pflicht zu erledigen, um den Sonntag gepflegt zu beenden.

Aufräumen nach Party

Besen schwingen und Staubsauger ziehen.

Dank schönem Herbstwetter, frischer Luft und die Aussicht auf einen Teller Chili, ging alles recht flott und mein Freund konnte sich vor unserer Fahrt im Smart auf der A8 noch etwas in die Horizontale begeben. Ich schlenderte durch mein geliebtes Augsburg und freute mich schon auf das Highlight des Sonntags. Ich habe nämlich herausgefunden, dass einer meiner Lieblingspianisten, Don Friedman, während meines verlängerten Wochenendes in Augsburg im nahen München einen Auftritt gab. Leider stand bei Don nur, dass er in München sei. Über die MySpace-Seite seines Duo-Partners Johannes Enders jedoch, konnte ich den genauen Ort des Gastspiels ausfindig machen.

Der Drugstore in Schwabing, im ersten Stock Heppel & Ettlich.

Das Heppel & Ettlich ist ein kleines Theater, das sich im ersten Stock des Drugstore in Schwabing befindet. Und wenn ich es richtig verstanden habe, hatte der Veranstalter der jungen Jazzkonzert-Reihe, Herr Loft, das Empfinden, dass in Schwabing eindeutig zu wenig Jazz gespielt wird. Das möchte er unbedingt ändern. Die Konzerte im Heppel & Ettlich sind auch noch ein ganz geheimer Geheimtipp, denn zum ersten fanden sich 30 und zum zweiten magere 12 Jazzfreunde ein. Bei diesem dritten Konzert war das Theater immerhin komplett belegt, was maximal 200 Plätzen (eher 120) entsprechen mag. So ist es nicht verwunderlich, wenn es mir gelang ca. zwei Stunden vorher noch unsere Karten (je 12,- €) zu reservieren. Schweizerisch knapp fuhren wir los, kamen gut über die A8 nach München, fanden gleich einen Parkplatz – umsonst und direkt davor, bekamen unsere Karten und einen guten Platz, ungefähr eine halbe Stunde vor Konzertbeginn.

Don Friedman Johannes Enders Duo

Don Friedman und Johannes Enders Duo im Heppel & Ettlich im Drugstrore in Schwabing.

Das gute Feng Shui, das den ganzen Sonntag über beseelte, hielt also an und das kleine Konzert wurde zum krönenden Abschluss des Abends.

Der Erfolg ist launisch. Dem einen fliegt er zu, während sich ein anderer oft vergeblich müht. Leider gehört Don Friedman eher zu den letzteren, zu dem trotz jahrzehntelanger solider Arbeit mit den ganz grossen (Attila Zoller, Joe Henderson und auch Charles Lloyd) die Bezeichnung “kaum bekannter Gigant” leider recht gut passt. Sein Partner Johannes Enders war mir wieder einmal trotz etlicher Auszeichnungen gänzlich unbekannt – ich kann nicht alle Tenorsaxophonisten kennen. Johannes Enders ist aber jetzt mein Freund auf Facebook und somit ist dieses Manko auch ausgemerzt.

Der Klang (ja, jetzt geht das wieder los) war gut. Besonders gefiel mir, dass das Klavier (!) und Saxophon rein akustisch gespielt wurden – das Saxophon war leider in einigen Passagen einen Deut zu laut. Jedoch spielten die beiden so hervorragend, dass ich sie am liebsten im Kultur-Casino Bern oder im zürcher Neumünster (beide haben eine ausgezeichnete Akustik) gehört hätte (dann jedoch wäre das nicht mehr für nur 12,- € möglich).

Beide Künstler verfügen über eine recht breite Spielweise. Don Friedman wurde oft mit Bill Evans verglichen. Auf frühere Aufnahmen (Circle Waltz) mag das zutreffen. Bill Evans spielt jedoch sehr überlegt und analytisch. Ihm fehlt das, was Don Friedman ausmacht und da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Don Friedman fügt seinem Spiel Lebhaftigkeit und eine wunderschöne Lyrik hinzu – oft sogar beides zugleich. Das Abendprogramm bestand aus Stücken Friedmans und Enders und Standards. Das hatten beide bereits im Kitano in New York geübt und auf CD festgehalten. Das Duo ergänzte sich perfekt. Friedman als Routinier die Konstante, Enders der junge Saxophonist das Überraschungsmoment. Und so klangen Stücke aus Friedmans Repertoire so neu und jung, dass ich sie nicht auf Anhieb erkannte, obwohl ich sie auf mehreren Alben mit unterschiedlicher Besetzung habe. Nach eineinhalb kurzweiligen Stunden war der Auftritt leider auch schon aus, jedoch blieben die beiden Künstler noch gutgelaunt an der Bar, wo ich versuchte sie zu überreden, nach Bern zu kommen. Ob ich damit Erfolg habe, wird sich zeigen.

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Jazz | 23 Jan 2010

Enrico Rava – Stefano Bollani Duo, Neumünster in Zürich 2010-01-22

Kirche-Neumünster-Zürich
Die Neumünster Kirche in Zürich – kalt war’s.

Ein Duo mit Enrico Rava tr und Stefano Bollani p und dazu noch das einzige Konzert schweizweit. Was könnte einen passenderen Rahmen dazu liefern als es in einer Kirche abzuhalten, dachte ich mir, als ich bereits (auf den Tag genau) vier Monate im voraus meine Karte löste – Kirchenschiff vorne, 60,– SFr (nicht gerade ein Pappenstiel, aber empfehlenswert). Im nachhinein muss ich sagen, dass die Kirche für dieses Konzert und zu dieser Jahreszeit wohl die beste Wahl war. Das Konzert war gut besucht, ich konnte kein Mischpult, keine Mikrofone, keine Lautsprecher finden, die Musik drang wirklich sozusagen unplugged an die Ohren, ein besonderer Genuss von einem Sitzplatz in der ersten Reihe aus, gerade mal zwei Meter weit von Podium und Musikern entfernt. Um diesen zu bekommen hieß es jedoch (auch diesmal) zeitig da sein im Allgemeinen und sich kalte Füsse holen – im Speziellen. Obwohl – entgegen meinen Befürchtungen – das Gotteshaus einigermassen temperiert war, wurden meine Extremitäten während des Konzerts nicht mehr ganz so warm wie sie anfangs einmal waren. Zusammenfassend fügte der Veranstaltungsort der Intimität eines Duos einen ungewöhnlichen Aspekt der Förmlichkeit hinzu und ich kam mir mehr als Zuschauer, denn als Beteiligter (wie es in einem kleinen Club durchaus der Fall ist) vor.

Das Konzert selbst dauerte gut 90 Minuten und verlief ohne Pause. Dass sich beide Musiker auf höchst proffesionellem Niveau bewegen, wurde spätestens dann klar, als die “Warmspielphase” bereits im Verlauf des ersten Stücks vorbei war, wobei Rava selbst während des ganzen Konzertes sehr nachdenklich wirkte. Der gut 70-jährige Rava spielte souverän auf seiner Trompete, die bisweilen so weich wie ein Flügelhorn klang. Dass sein Vorbild Miles Davis ist, kam dabei deutlich zum Ausdruck, dennoch bediente er sich einer ganz eigenen Bandbreite an Emotionen, Anspielungen und Anekdoten und ich bin mir nicht sicher, was mir letztlich besser gefallen hat, die Musik oder das Schauspiel, das die beiden Musiker mit ihren Dialogen darboten. Denn Bollani (37) am Piano war – im Gegenteil zu Rava – an diesem Abend der Spassvogel, ohne dabei in die Trivialität abzurutschen. Bollani gautschte auf seinem Klavierhocker hin und her, stampfte mit den Füssen zu seinem Spiel auf das Podium oder benutzte einfach den Klangkörper des Pianos für eine Percussion-Einlage. Vielleicht hat er aber auch zu lange draussen gestanden und ihm war in seinen abgelaufenen Sneakers und seiner löchrigen Jeans schlichtweg auch kalt geworden.

Musik kann Türen im Kopf öffnen, hinter denen neue Entdeckungen oder längst vergessene Kostbarkeiten auf einen warten. Dieses Konzert hat keine Türen aufgestossen, jedoch ganz leise, fast unmerklich haben sich einige bei mir im Laufe der vergangenen Stunden seit gestern aufgetan und abschliessend lässt sich sagen, dass dieses gestrige Ereignis nachdenklich, ungestüm und doch subtil, geistreich, witzig und vor allem stilvoll war. Rava spielte gewohnt genial gut und Bollani ist ein an Jahren noch junger Pianist, der sicherlich noch einiges von sich hören lassen wird und darauf bin ich besonders gespannt.

Als ich dann heute, tags darauf beim Aufwachen Hip Hop/ Reggae-Klänge aus dem Wohnzimmer vernahm (nichts gegen Reggae und Hip Hop), wusste ich, dass dieser Tag problematisch werden würde und bei meinem Nachmittagsausflug hatte ich dann Paul Bley p, Gary Peacock b und Paul Motian dr auf dem Kopfhörer – Musik, die zu dieser gestrigen Erfahrung meiner Meinung nach besser passt.

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